Du sollst (nicht)…

Was uns die christlichen Kirchen an Geboten und Verboten lehren, kommt nicht mehr an. Mit Recht?
Da gibt es eine ganze Reihe von Unsinn, den sich die alten Herren der katholischen „Elite“ in den letzten Tausend Jahren einfallen ließen. So habe ich in der Schule noch gelernt,
• dass es eine Sünde sei, als Katholik einen evangelischen Gottesdienst zu besuchen,
• dass es Pflicht eines jeden Katholiken ist, am Sonntag den Gottesdienst zu besuchen, oder
• dass man durch Buße auf Erden im Himmel belohnt wird. Überhaupt war das „Fegefeuer“ in meiner Kindheit ein schlimmes Schreckgespenst, weil ich ein „böser Junge“ war.

Solche Lehren hatten vermutlich nur den Zweck, uns Sünder durch Angst und schlechtes Gewissen an die Kandare zu nehmen, Einfluss und Macht zu sichern.

Aber es gibt auch durchaus sinnvolle Lehren, Gebote und auch Bibeltexte, deren Sinn jedoch durch die Perversion ihrer Auslegung ad absurdum geführt werden. Das gab es schon immer. Jesus ist der Prominenteste, der dies offenlegte: Als er an einem Sabbat einen Kranken heilte, waren die Pharisäer empört und wollten ihn töten. Er aber fragte sie, was falsch daran sei, an einem Sabbat etwas gutes zu tun. Schließlich sei der Sabbat für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat.

Prüfen und eigenverantwortlich handeln

Die Botschaft dieser Geschichte geht weit über das Sabbat-Gebot hinaus: Wir sind aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen, mit Verstand und Seele zu überprüfen und danach zu handeln. Nicht einfach nachzuplappern, was uns vorgebetet wird, nicht leichtgläubig alles anzunehmen, was die Obrigkeit uns sagt und nicht gedankenlos die überlieferten Meinungen, Riten und Vorurteile aufrechtzuerhalten, die uns von Generation zu Generation eingeimpft werden.
Manche Regeln und Gesetze werden so als Selbstzweck entlarvt, andere bekommen bei kritischer, vor allem irdischer Betrachtung einen Sinn:
Wird eine Lehre abstrakt, klerikal, von unserem Alltag entrückt erklärt, muss sie ins Leere laufen. Das ist meine Hauptkritik an den christlichen Kirchen (und soweit ich es beobachte, auch an anderen Religionen) und gleichzeitig mein Appell: Ob es sich ums Evangelium handelt oder um die zehn Gebote: Die Lehre muss den Menschen in den Mittelpunkt rücken. Das ist schließlich der ureigene Sinn jeder Religion.
Ein Beispiel?
„Tue Gutes – dein Lohn im Himmelreich wird groß sein“.
Es bedarf weder Himmel noch Hölle, sondern einfach nur der Erkenntnis: Unser Denken und Handeln wirkt sich unmittelbar auf unsere Persönlichkeit aus, im positiven wie im negativen. Jeder kennt das erhebende Gefühl, etwas Gutes zu tun.

Die Heilige Schrift ist in weiten Teilen ein praktischer Lebensratgeber. Solange die Priester dieses Potential nicht erkennen und die Texte nicht lebensnah zu interpretieren verstehen, wird ihre große Bedeutung missachtet. Schade drum, denn besonders die Jugend sucht nach Orientierung – und wendet sich verzweifelt von den christlichen Kirchen ab, hin zu fragwürdigen Sekten.

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