Verantwortung ist Macht

Die Klagen von Freunden und Bekannten über ihre Lebenssituation sind im Ergebnis immer ähnlich: Zu viel Arbeit, zu wenig Geld, alle kommen mit Bitten zu mir und ich kann nicht nein sagen…

Können wir diesen Menschen helfen, solange sie die Verantwortung für ihre Situation nicht übernehmen? Eigentlich könnten sie nüchtern analysieren, welchen Vorteil sie haben, im status quo zu verharren. Niemand handelt oder handelt nicht, wenn er oder sie keinen Vorteil darin sieht. Ist es also Bequemlichkeit, Angst vor den Konzequenzen, oder schlicht das gute Gefühl, gebraucht zu werden?

Die Antwort auf die Frage nach dem Handlungsmotiv ist bereits der Einstieg in die Veränderung: Wir haben immer eine Wahl, wenn wir bereit sind, die unangenehmen Nebenwirkungen unserer Entscheidungen zu akzeptieren. Das ist  natürlich leicht gesagt. Für Außenstehende sonnenklar, gibt es für die Betroffenen oft unüberwindbare Hürden, die ihnen eine nüchterne Sicht auf die Dinge unmöglich machen: Das soziale Umfeld, Elternhaus und die frühkindliche Prägung sitzen tief. Und die moralische wie die rechliche Abwägung der Konzequenzen macht die Sache erst richtig kompliziert. Hat also wirklich jeder eine Chance oder gibt es sie nur in der Theorie?

Die Verlockung ist groß, auf den Chef zu schimpfen, meine Situation zu beklagen oder andere Umstände vorzuschieben. Bin ich selbst aber nicht Schuld an meiner Misere, dann nehme ich mir jeden Handlungsspielraum.

Übernehme ich Verantwortung für mein Leben, dann habe ich die Möglichkeit, etwas zu verändern. Deshalb setzt Verantwortung eine Handlungsfreiheit voraus. Diese Freiheit wird durch gesellschaftliche Normen, religiöse Doktrin und Moralvorstellungen oder durch eigene Ideale beeinflusst, meist beschränkt. Deren kritische Überprüfung und Neubewertung hilft uns, unsere „Hirnfesseln“ aufzuknoten.

Mein Kompass ist die Seele, mein Gewissen und der „gesunde Menschenverstand“, von dem jeder glaubt, ihn zu haben. Was aber, wenn dieser Kompass mit dem Gesetz in Konflikt gerät?
Oder sollte das Gesetz der Kompass sein? Wäre ich dann nicht femdbestimmt, und damit auch nicht mehr verantwortlich?

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.