Wachstum

Wachstum um jeden Preis.

Die Ökonomen predigen uns, mindestens zwei Prozent Wirtschaftswachstum anzustreben, um dem Kollaps zu entgehen. Für die Mehrheit der Politiker scheint dieser Lehrsatz oberste Priorität zu haben. Das Ziel ist also, jedes Jahr mehr zu produzieren. Und weil die Produkte gar nicht gebraucht werden, muss der Verbraucher „lernen“, dass er sie trotzdem haben muss. Aber wohin führt dieser Wachstumswahnsinn?

Die Irrlehre vom ständigen Wirtschaftswachstum führte uns zur Wegwerf-Gesellschaft. „Konsum ist Glück“, suggeriert uns die Werbung. Meine Beobachtungen sagen mir das genaue Gegenteil. Während „Psychotherapie“ für die Nachkriegsgeneration noch beinahe ein Fremdwort war, können sich die Therapeuten heute dem Ansturm nicht erwehren. Macht Wohlstand also krank?

Was kostet der vernichtende Luxus?

Was passiert mit dem ganzen produzierten Müll? Wie gehen wir mit den begrenzten Ressourcen um? Der Raubbau zeigt sich mir am deutlichstem in dem barbarischen Flächenverbrauch. Bei diesem Vernichtungstempo können wir ausrechnen, wann unsere Nachkommen einen Quadratkilometer Wald auf einer Museumsinsel bestaunen müssen. Warum werden solche Fragen von den Regierungen verdrängt?

Es liegt an uns, den verantwortlichen klar zu machen, dass uns unsere Umwelt lebenswichtig ist, dass wir zu Gast auf dieser Erde sind und sie unseren Kindern und Enkeln erhalten müssen. Dies bekennen die Parteien nur auf ihren Wahlplakaten. Aber wenn eine konkrete Entscheidung ansteht, hat „Wachstum“ immer Vorrang. Warum ist das so?

Ein wesentlicher Grund, dass gewählte Mandatsträger eher auf kurzfristigen Erfolg als auf Nachhaltigkeit setzen, mag die nächste Wahl sein, die sie fürchten müssten, wenn die Arbeitslosigkeit steigt und das Bruttosozialprodukt sinkt. Das wäre aber die sichere Folge, wenn wir verantwortlich mit unserem Planeten umgehen. Die Frage ist also eher, ob unsere Lebensqualität zwingend mit unserem Lebensstandard, mit Bruttosozialprodukt und Pro-Kopf-Einkommen zusammenhängt. Wären wir mit weniger Luxus vielleicht sogar glücklicher und gesünder?

Gemessen an unserer Produktivität müssten wir heute (geschätzt) nur noch 20 Minuten täglich arbeiten, um den Lebensstandard von 1870 (damals bei einem 10-Stunden-Tag) zu halten. Und doch haben wir weniger Zeit, sind gehetzter, lassen uns hetzen. Haben wir aus dem Auge verloren, worauf es ankommt?

Zeit zur Umkehr.

Es ist höchste Zeit für einen grundlegenden Sinneswandel. Und es braucht Mut, neue Wege zu gehen. Mut, dem Volk zu sagen, was es zwar schon weiß, aber nicht wahrhaben will. Wir brauchen Visionäre in der Politik. Es gibt sie, aber nicht einmal die Grünen haben den Mut den Wählern zu sagen, dass sie ihr Leben umkrempeln und auf einiges verzichten müssen. Wer kann es ihnen verübeln? Die Wahrheit zu sagen, ist manchmal politischer Selbstmord.

Also ist der Ball wieder bei uns Bürgern und Wählern: Wir müssen unsere Lethargie überwinden, unser Bewusstsein schärfen, uns informieren und engagieren.

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